da meine Netzschmerlen kürzlich gehörig gebalzt haben, habe ich mich hier angemeldet, um darüber zu berichten und vielleicht ein paar Tips zu bekommen, wie ich das Ableichen unterstützen kann.
Zunächst die Rahmenbedingungen:
Das Becken:
Gesellschaftsbecken, die Grundfläche ist mit 120 cm x 60 cm sehr groß, dafür ist es aber nur 30 cm hoch. Es herrscht eine dichte Bepflanzung, jedoch ist nur die hintere Hälfte der des Beckens bepflanzt, im Vordergrund ist nackter Sandboden. Das soll ein Flussbett mit Uferzohne imitieren. Für die drei Schmerlen gibt es fünf Höhlen, allesamt innen geräumig, aber mit kleinen Ausgängen. Die Wassertemperatur beträgt 26 °C, die Wasserwerte sind mir nicht bekannt. Ich führe einen wöchentlichen Teilwasserwechsel von einem Drittel des Beckeninhalts durch, manchmal mehr, um das frische Bachwasser der Heimatgewässer zu imitieren.
Die Schmerlen leben jetzt seit zweieinhalb Jahren bei mir und sind 7, 8 und 9 cm groß. Das 8 cm lange Tier ist das Weibchen.
Futter:
Zwei Fütterungen täglich, KEIN Fastentag, KEIN Trockenfutter. ausschließlich Frost-, Frisch- oder Lebendfutter. Täglich wechselnd folgende Sorten:
schwarze, weiße und rote Mückenlarven Muschelfleisch Garnelenfleisch Artemia Daphnien Spinat Mix-Futter, in welchem auch Truthahn- oder Rinderherz sowie pflanzliche Kost enthalten ist
Die Balz:
Das erste Mal, dass die Schmerlen balzten, war zwei Monate, nachdem ich umgezogen war. Ich habe schon woanders gelesen, dass Schmerlen oft nach einem Umzug balzen, da die plötzlich wechselnden Bedingungen offenbar denen einer Laichwanderung sehr nahe kommen. Ich konnte beobachten, dass die mittlere Schmerle immer dicker wurde. Anfangs dachte ich, sie sei einfach nur überfressen, später fürchtete ich Bauchwassersucht. Als jedoch das Balzen begann, stellte sich der dicke Bauch als ein Laichansatz heraus. ich hätte nie gedacht, dass dieses Tier ein Weibchen ist, da es früher sehr ruppig war und erst dann friedlich wurde, als eines der Männchen sie im Längenwachstum überholte.
Jedenfalls düsten alle drei Schmerlen wie angestochen im Becken herum. Noch schneller, als wenn sie sich "normal" jagen. Dabei blieben sie jedoch nur zeitweise in der Gruppe, teilweise düsten sie auch allein herum. Zwischendurch hielten sie an einer Stelle inne und wuselten mit ihren Barteln Stellen im Aquarium so sehr an, dass ihre ganzen Köpfchen zitterten. Bei den Männchen glaube ich, dass sie vielleicht Spuren des Weibchens, wo sie sich mit dem Bauch gerieben hatte (ohne abzulaichen) berochen, bei dem Weibchen hatte ich das Gefühl, sie sucht nach geeigneten Stellen zum Ableichen und reibt schon einmal Probe. Sie bevorzugte dabei die "Dächer" künstlichen Wurzelhöhlen sowie das Schaumkraut und die Echinodoren. Die Schmerlen berochen und befühlten jedoch nicht nur intensiv die Einrichtung, sondern auch die Bäuche ihrer Artgenossen. Das sah fast zärtlich aus. Dabei wurde nicht nur das Weibchen befühlt, sondern jeder befühlte jeden.
Erstaunlicherweise herrschte die gesamte Balz über keine sichtbare Rivalität unter den Männchen.
Irgendwann setzte dann etwas ein, dass wie eine Paarung aussah. Die Schmerlen hatten sich dazu eine Schlucht zwischen mehreren Blumentöpfen gewählt, in denen meine Echinodoren wachsen, damit ich sie, ohne die Wurzeln zu zerstören, öfters umräumen kann. Dort bildeten alle drei Schmerlen ein zuckendes Knäuel und es sah aus, als ob jeder sich mit jedem paarte, sogar die zwei Männchen untereinander.
Die gesamte Balz dauerte mehrere Stunden, die "Paarung" circa eine oder zwei. Am nächsten Morgen fand ich leider keine Eier und das Weibchen war immer noch dick. Aber alle drei Schmerlen schliefen übereinander gestapelt und ineinander verschlungen auf dem Filter und mitten drin steckte die befreundete Längsstreifen-Saugbarbe und schlief auch. Normalerweise schläft meistens jede Schmerle allein in einer Höhle. Selten auch mal alle in einer. Aber ich habe sie noch nie so verknotet gesehen und das auch noch oben auf dem Filter!
Die Balz widerholte sich ansatzweise am folgenden Tag, aber leider weit weniger intensiv. Danach war es dann mit dem Balzen vorbei. Das Weibchen ist nun schon seit bestimmt einem Monat, wenn nicht länger, trächtig. Ich habe Horrormeldungen von Laichverhärtung und gar von der Länge nach aufgeplatzten Schmerlenweibchen gelesen und mache mir große Sorgen!
Darum mache ich nun sehr oft sehr große Wasserwechsel und räume dabei jedes Mal das Becken um in der Hoffnung, das Ableichen dadurch anzuregen. Sie zeigen zwar ansatzweise wieder Balzverhalten, aber mehr auch nicht.
Mir geht es weniger darum, dass ich unbedingt Nachwuchs will, ich möchte einfach meine Schmerle nicht verlieren!
Darum bitte ich dringend jeden, der Tips hat, mir diese mit zu teilen!
Liebe Grüße Wolkenleopard
Die Frage ist nicht, welches Tier für dich geeignet ist - sondern für welches Tier DU geeignet bist.
Hallo, Ich hatte bis vor Kurzem auch die Balz und evtl. auch ablaichen bei meinen 3 Netzis.
*Achtung langer Bericht*
Das Becken ist 100*50*50 und es wird von 3 Netzschmerlen, 14 puntius fasciatus, sowie Guppies und Ancis bewohnt. Die Netzschmerlen sind etwa 7 Jahre(männlich), und höchstens 2 Jahre (1 Männchen und 1 Weibchen) alt. Das Weibchen war bereits im Mai (vor dem Umzug) sehr füllig.
Leider konnte ich ihre komplette Balz nicht beobachten, da ich weg musste. Dennoch konnte ich einige interessante Erkenntnise gewinnen.
1. Netzschmerlen sind spätestens im 2. Jahr geschlechtsreif. Sie sind dann etwa 7 cm lang.
2. Die Männchen begannen ihre "Kämpfe" mit heftigem nebenherschwimmen wobei die Tiere dabei scheinbar "gegeneinander" drückten. Die Männchen verharrten auch und zitterten nebeneinander. Dabei hat das kleinere (unterlegenere) Männchen seine Farbe und Zeichnung komplett verändert: Die Grundfarbe wurde dunkelgrau oder braun während die Linien verblassten. Das Tier wirkte fasst schon einfarbig.
Währenddessen nahm der Bauchumfang des Weibchens auf etwa das doppelte des normalen zu. Die Netzis waren auch insgesamt immer geselliger geworden.
Von den weiteren Ereignissen konnte ich nicht selber Zeuge werden:
Es kam zu Maulzerren zwischen den Männchen, wie es auch bei Prachtschmerlen schon beobachtet wurde. Irgendwann war der Bauch des Weibchens (das schon so ausgesehen haben soll, als ob es gleich platzt) plötzlich dünn.
Die Brut ist wahrscheinlich gefressen worden, denn nach 14 Tagen nach dem vermutlichen Ablaichen konnte ich keine Jungtiere entdecken.
Veränderungen im Becken: 1. Nach dem Winter (Fastenzeit) habe ich vermehrt Wasserwechsel gemacht und viel Frostfutter gereicht. 2. Während der Hitzewelle war es mit 27-30°C sehr warm im Becken und ich habe das Wasser mit bis zu 50% Wasserwechseln gekühlt (teilweise täglich!) 3. Nach der Hitzewelle ist die Temperatur wieder gesunken. Während des Maulzerrens und der Balz lag sie bei 21-24°C.
*Langer Bericht Ende*
Meine Tips sind die Schmerlen weiter gut zu füttern, weiter Wasser zu Wechseln und vor allem die Wassertemperatur zu senken (Soweit wie es der Beibesatz zulässt).
Vielleicht wär auch Laub einzubringen einen Versuch Wert. Wenn sie ablaichen könnten in einer Laubschicht sogar Junge durchkommen.
vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Ich liebe lange Berichte mit vielen Details, also nur raus damit ;-)
Ich habe noch einige Fragen an dich:
Wie genau hast du die Fastenperiode im Winter gestaltet? Hast du dazu auch die Temperatur abgesenkt? Wie groß waren die Temperaturschwankungen im Sommer vor und nach dem Abkühlen mit Frischwasser? Wie ist dein Becken gestaltungsmäßig eingerichtet? Ggf. Fotos? Kennst du deine Wasserwerte?
Mein Beibesatz ist leider nicht sehr günstig gewählt (Anfängerfehler):
- 3 Netzschmerlen - 10 Neonsalmler - ca. 15 halbwüchsige Schwertträger und viele Minis - 1 Schwarzbindenpanzerwels (Gnadenbrot) - 1 Längsband-Saugbarbe (Gnadenbrot) - 1 Marmormolly (Gnadenbrot)
Die Lebendgebärenden machen das alles leider nicht sehr einfach, da ihnen mein Wasser vermutlich ohnehin schon zu weich ist (sie sind kümmerwüchsig, aber gesund und munter). Ich denke, ihnen würde das Absenken der Temperaturen nicht gut tun... oder wenn ich es noch mit Laub ansäuere. Dadurch würde das Wasser auch weicher werden, oder?
Liebe Grüße Wolkenleopard
Die Frage ist nicht, welches Tier für dich geeignet ist - sondern für welches Tier DU geeignet bist.
Im Winter gabs nur alle 2-3 Tage Futter; Vorwiegend pflanzlich (Rosenkohl) und wenig Frostfutter. Die Temperatur lag wegen den Neons, die ich da noch hatte, bei 24°C. Kälter vertragen es rote Neons nicht (bekommen Ichto).
Die Temperaturschwankungen weiß ich nicht genau, da ich keine Zeit hatte sie zu dokumentieren, aber 5°C Absenkung in 24h könnten dabei gewesen sein. Während der Hitzewelle habe ich soviel Wasser wie möglich gewechselt. 20L kaltes Wasser brachten eine Abkühlung von 2°C. Meistens habe ich 60L gewechselt.
Derzeit sind sehr viele Höhlen und Verstecke vorhanden. Von jedem Punkt im Becken können die Netzis sofort in einer Höhle verschwinden. Während der Balzzeit habe ich sie oft sowohl an als auch in den Zimtrinden gesehen.
Du kannst den ja mal Tubifex anbieten, solltest diese aber im Sand vergraben. Die Netzis haben einen riesigen Spaß dabei, die Würmer wieder auszugraben. Ich habe leider noch kein Foto, wie sie mit dem ganzen Kopf im Sand verschwinden...
du hast ja ein herrliches Becken! So wunderschon grün! Aber die Bewertung finde ich seltsam... mehr als 3 Netzschmerlen auf 250 Liter würde ich nur bei ansonsten sehr(!) geringem oder gar keinem Beibesatz machen, da sie doch extrem lebhaft und dominant sind. Mehr Artgenossen würde ihnen vielleicht gefallen, aber den anderen Fischen wohl weniger. Ich mag Netzies ja auch sehr gerne, aber habe mich dennoch bei meinem jetzigen Becken trotz aller Empfehlungen bewusst gegen das Aufstocken entschieden. Drei stiften Chaos genug :-)
Hast du noch ein aktuelles Foto von deinem Becken? welche Höhlen bevorzugen deine Netzschmerlen? Das mit den Tubifex werde ich mal probieren. Hört sich interessant an.
Waren deine Netzschmerlen während der Fastenzeit anders im Verhalten? Ich muss sagen, mir graut es ein wenig davor, sie fasten zu lassen... früher gab es bei mir ein mal am Tag Futter und einmal in der Woche einen Fastentag. Mit dem Resultat, das jedes Mal nach dem Fasten meine Fische löchrig waren. Die Schmerlen haben einfach Stücken aus ihnen rausgebissen, weil sie hungrig waren! Von den Echinodoren ganz zu schweigen, die haben sie völlig zerfranst. Darum habe ich immer seltener Fastentage eingelegt und die Futterration auf 2x am tag erhöht. Aber als eines Tages einem Schwertträger ein Auge ausgebissen wurde, habe ich das Fasten völlig eingestellt. Seitdem sind meine Netzies friedlich.
Übrigens habe ich heute meine Beleuchtung korrigiert:
Ich habe heute eine Dämmerung an meinem Becken installiert, d.h. zu meinen zwei großen Röhren noch eine kleine aus der Küche gemopst und montiert. Sie läuft über eine separate Zeitschaltuhr. Jetzt habe ich 11 Std. Beleuchtung insgesamt und davon früh und abends jeweils eine Stunde Dämmerung. Mal schauen, ob die Netzies darauf reagieren. Am schönsten wäre es natürlich, wenn dies das Balzen anregen täte! Angeblich sind sie ja besonders in der Dämmerung aktiv, was ich jedoch bisher nicht beobachten konnte. Was vielleicht daran lag, dass ich gar keine Dämmerung hatte :-)
Mal schauen.
Liebe Grüße Wolkenleopard
Die Frage ist nicht, welches Tier für dich geeignet ist - sondern für welches Tier DU geeignet bist.
Zum Fasten würd ich Grünfutter empfehlen. Gurke, Rosenkohl Paprika Zuchini... (einfach googeln und ausprobieren)Dann lassen sie auch die Echinodoren in Ruhe und sind so beschäftigt, dass sie die anderen Fische in Ruhe lassen. Das mit den Augen kenn ich, am liebsten mögen sie offenbar welche von Lebendgebärenden. Eine richtig strikte Fastenzeit ist nur bei passendem Beibesatz möglich (Beibesatz muss mindestens gleich groß wie die Netzis sein)
Aber derzeit wäre ohnehin eher Schlemmen angesagt bis die Balz vorrüber ist.